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Während meiner Oberstufenzeit dachte ich mein Leben würde nicht mehr so einfach und schön sein, wenn ich einmal aus der Schule wäre. Je näher der letzte Schultag kam, wurde mir klarer , dass ich ja nicht nur Abschied von geliebten und ungeliebten Lehrern nehmen sondern auch viele der Freundschaften zu meinen Mitschülerinnen und Mitschülern neu definieren müsse oder sogar verlieren werde.

Und so lagen wir uns – wie bei vielen vorherigen Abiturjahrgängen zu beobachten war – am letzten Schultag während dem Abigag und auf der Abiparty heulend in den Armen. Dies ist nun tatsächlich schon fast zwei Jahre her  und nun möchte ich allen Noch-Nellyanern kurz berichten, was ich in meiner Nach-Nelly-Zeit bis heute erlebt habe. Mit dem Abitur in der Tasche war mir erst einmal nur eines klar „ich will Studentin werden“. Aber was genau sollte ich jetzt machen? Medizin, Tierärztin oder Jura? Die erste Lösung aus dem Entscheidungs-Dilemma war: erst einmal auf den Jakobsweg! 30 Tage mit drei guten Freundinnen wandern und den Kopf an der Atlantikluft „frei laufen“. Neue revolutionäre Ideen was meine Zukunft angeht sind dabei nicht entstanden aber es war eine wunderbare Reise. Klar war aber, dass ich für ein halbes Jahr erst einmal nicht studieren wollte. Weil sich die Idee später einmal Ärztin zu werden in meinen Kopf gesetzt hatte, fing ich dann im Herbst 2014 ein Pflegepraktikum im Krankenhaus Grevenbroich an. Nach einem Monat setzte ich dieses in San Francisco im Krankenhaus fort. Schon nach meiner Praktikumszeit in Grevenbroich war mir klar, dass ich nicht für die Arbeitsweise und – struktur in einem Krankenhaus geschaffen bin. Trotz alle dem flog ich nach San Francisco und hatte dort eine tolle und inspirierende Zeit. Ich arbeitete für drei Wochen im Marine General Hospital (was mir übrigens viel mehr Spaß machte, weil die Krankenhausmitarbeiter dort viel offener und freundlicher waren) und verbrachte die restliche Zeit mit meinem Lieblingshobby Reiten und der Aushilfe bei einer Pferdetrainerin.
 
Weil die Freunde, bei denen ich gewohnt habe beide Biologen sind, gingen wir zu einigen Vorträgen über Umwelt-und Artenschutz. Zahlreiche inspirierende Gespräche, die Idee vom „sustainable living“ in der West-Amerikanischen Kultur und die unglaubliche Schönheit der Natur um San Francisco herum formten allmählich eine neue Idee in meinem Kopf „Ich möchte etwas studieren womit ich die Welt retten kann“. Ich weiß, das klingt sehr naiv und man kann mir maßlose Selbstüberschätzung unterstellen, aber mir hat es geholfen eine Leidenschaft zu finden. Um „die Welt zu retten“ muss ich sie ja erst einmal besser verstehen und deshalb schien mir die Biologie dabei recht hilfreich zu sein. Das alleine schien mir jedoch zu einseitig und so entschied ich mich für das sogenannte „Studium Generale“ in den Niederlanden.
 
Alle Kurse werden dort in englischer Sprache angeboten und die Aussicht Kontakte zu Studenten aus aller Welt knüpfen zu können haben diese Wahl für mich leicht gemacht. So begann mein Studentenleben im Januar 2015 im Universitätscollege Roosevelt in Middelburg. Das Studentenleben war spannend, aufregend aber auch schwer am Anfang. Eigene Wohnung, neue Art des Lernens, anderes Land und einige Kilometer weg von Freunden und Familie. Aber das verging und nach einiger Zeit hatte ich mich eingelebt und gelernt den scheinbar unbezwingbaren Berg an Arbeit zu organisieren und den Spaß am Studieren zu genießen. Im ersten Semester meines „Studium Generale“ hatte ich außer Mathematik keinen naturwissenschaftlichen Kurs. Dafür habe ich aber viel Interessantes und Neues aus den Bereichen „Law, Society and Justice“, und „Statistik“ gelernt. In meinem zweiten Semester konnte ich dann endlich neben Soziologie, Rhetorik und Holländisch auch Biologie belegen. Obwohl mich mein mexikanischer Professor sehr für Soziologie begeistern konnte merkte ich, dass es doch die Biologie war, die mich immer wieder zum Staunen brachte. Da an dieser Uni nicht viele Biologiekurse angeboten wurden und ich mir mit so einer „breiten“ Bildung keine wirklich guten Chancen für einen passenden Master-Studienplatz ausrechnete, fing ich wieder an zu grübeln.
 
Sollte ich nicht lieber an einer deutschen Universität ein klassisches Biologiestudium durchziehen? Überfüllte Hörsäle und alles auf Deutsch? Nein, das kam für mich nicht in Frage. Das sogenannte „problem based learning“ ist das was ich wollte.  Nach einem Jahr „Studium Generale“ bin ich nun an der Universität Maastricht für das „Science Programm“ eingeschrieben und habe ausschließlich naturwissenschaftliche Kurse und diese in meiner Lieblingsfremdsprache Englisch! So kam ich zum Science Programm in Maastricht durch Umwege und viele verschiedene Ideen in meinem Kopf.
 
Und wenn ich dann einmal zum Ehemaligentreffen ins Nelly komme werde ich meinen Freunden erzählen können dass ich eine gute Wahl getroffen habe... Drei Dinge noch, die ich gelernt habe und Euch gerne ans Herz legen würde: Verzweifelt niemals wegen der Zukunft – sie ist so spannend! Lasst euch von älteren Menschen inspirieren! Und egal wie viele Umwege ihr geht und wie viele verschiedene Dinge ausprobiert, irgendwann findet ihr das was Euch wirklich Spaß macht. Denn, um Steve Jobs zu zitieren „the only way to do great work is to love what you do“.