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Zahlreiche Gäste kamen gestern in die Aula des Nelly-Sachs-Gymnasiums, um gemeinsam zu feiern. Dabei gab unter anderem Claudia Süssmuth-Dyckerhoff, die dort 1986 ihr Abitur machte, amüsante Einblicke in ihre Schulzeit.

Mit 60 Jahren denkt der ein oder andere vermutlich schon an den Ruhestand. Für ein Gymnasium gilt das keineswegs. "In diesem Alter steht es vielmehr in der Blüte seines Lebens. Da fängt der Reifeprozess erst an", sagte die Leitende Regierungsschuldirektorin Doris Mause gestern beim Festakt in der Aula des Nelly-Sachs-Gymnasiums. Oder wie es die Schulpflegschaftsvorsitzende Monika Engelhardt-Plate sagte: "60 Jahre - das ist schon was, aber da geht noch was."

Immer wieder wurde die Zahl von den Rednern - unter anderem sprachen der stellvertretende Bürgermeister Sven Schümann und Schülersprecher Julian Döller - aufgegriffen, um in die Vergangenheit zu blicken. "Eine Zeit, in der die Schule viele Erfahrungen sammeln konnte, um Veränderungen zu meistern, die auf sie zukommen werden. Sei es durch schulpolitische oder allgemeinsoziale Veränderungen", betonte Schulleiter Manfred Neumann, der sich jedoch nicht ausschließlich bei Vergangenem aufhalten wollte: "Das Nelly ist kreativ im Hier und Jetzt und hat den Blick klar in die Zukunft gerichtet."

Eine ganz persönliche Zeitreise erlebte jedoch Claudia Süssmuth-Dyckerhoff, die 1986 ihr Abitur am Nelly-Sachs-Gymnasium machte. Die Tochter der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth - sie war gestern mit ihrem Mann Hans ebenfalls da - sorgte mit ihren detailreichen Schilderungen für Schmunzeln in der gut gefüllten Aula. Da gab es die strenge Lehrerin, die es nicht nachvollziehen konnte, dass es für die Schülerinnen - bis 1978 war das "Nelly" ein Mädchen-Gymnasium - noch andere Lebensinhalte gab außer Chemie. Oder die kleine Bäckerei, in der es damals Schaumküsse zwischen zwei Brötchenhälften zu kaufen gab. "Sie wurde mittlerweile durch eine Eisdiele ersetzt", sagte Claudia Süssmuth-Dyckerhoff, die den Rückblick sichtlich genoss: "Die Zeit am Nelly hat mich sehr neugierig gemacht, zu erfahren, wie es da draußen aussieht. Wie Menschen anderer Kulturen und Religionen denken." Seit elf Jahren lebt die fünffache Mutter in China.

Doch eine Person stand gestern in den Reden, die neben gelungenen musikalischen Darbietungen von Schülern das Programm ausmachten, besonders im Mittelpunkt: die Namensgeberin der Schule. "Von allen Ehrungen der letzten Jahre hat mich nichts so sehr gefreut, als dass eine Schule meinen Namen tragen will", sagte Nelly Sachs 1966. Und Schülersprecher Julian Döller hob hervor: "Die Namensgebung ist etwas sehr Besonderes, da sie zu Lebzeiten von Nelly Sachs erfolgte und bevor sie den Nobelpreis erhielt." Doch der Name der Jüdin, die in der Nazi-Zeit ein Leben unter Bedrohung führte, sei nicht wegen des Alleinstellungsmerkmals ausgewählt worden, "sondern um 20 Jahre nach dem Krieg ein Zeichen gegen Gewalt, Verfolgung und Diskriminierung zu setzen".

 

Quelle: NGZ vom 31.05.2017, Verfasser des Artikels: Simon Janssen

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